Wer in den E-Commerce einsteigt, entscheidet zuerst über die technische Basis: ein fertiges Shopsystem zur monatlichen Miete oder ein Shop, der eigens für Ihr Geschäft entwickelt wird? Die kurze Antwort: Ist Ihr Verkaufsablauf Standard, reicht ein fertiges Shopsystem meist aus; passen die Regeln Ihres Geschäfts in kein Schema, brauchen Sie Individualsoftware. Der Marktplatz ist dabei keine Alternative zu diesen beiden, sondern eine Ergänzung. In diesem Beitrag erklären wir, worin sich die drei Optionen unterscheiden und nach welchen Kriterien Sie entscheiden sollten.
Zuerst: Marktplatz und eigener Shop im Vergleich
Ein Shop auf einem Marktplatz ist schnell eröffnet, und Sie erreichen ein Publikum, das bereits da ist. Dafür zahlen Sie auf jeden Verkauf eine Provision, der Marktplatz macht die Regeln, und Ihre Beziehung zum Kunden reicht nur so weit, wie der Marktplatz es zulässt. Auf derselben Seite stehen Sie direkt neben Ihren Wettbewerbern.
In Ihrem eigenen Shop müssen Sie die Besucher selbst gewinnen; das kostet Arbeit und Werbung. Dafür gehören Marke, Kundendaten und Regeln Ihnen. Wiederkäufe, Newsletter und Aktionen liegen in Ihrer Hand. Viele Unternehmen betreiben beides parallel: Der Marktplatz bringt Volumen, der eigene Shop stärkt die Marke und baut Stammkunden auf.
Was ist ein fertiges Shopsystem (Mietlösung)?
Bei einem fertigen Shopsystem lassen Sie die Software nicht entwickeln, sondern mieten sie gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr. Produktverwaltung, Warenkorb sowie die Anbindung von Zahlung und Versand sind bereits vorhanden. Sie wählen ein Theme, pflegen die Produkte ein, und der Shop ist in kurzer Zeit online. Das sind die Stärken:
- Schneller Start: Da die Software fertig ist, beschränkt sich die Arbeit auf die Produktpflege und die Anpassung des Designs.
- Planbare Kosten: Zu Beginn ist keine große Investition in Software nötig.
- Die Wartung liegt nicht bei Ihnen: Updates, Sicherheit und Serverbetrieb übernimmt der Anbieter.
- Fertige Schnittstellen: Virtuelles POS, Versand, E-Rechnung und Marktplatz-Anbindungen sind in den meisten Paketen enthalten.
Es gibt aber auch Grenzen. Sie können nur so viel ändern, wie das Paket zulässt. Die Schritte im Checkout oder die Preisregeln grundlegend umzubauen, ist meist nicht möglich. Der Shop bleibt nur online, solange Sie die Miete zahlen. Klären Sie von Anfang an, ob Sie Produkt-, Kunden- und Bestelldaten exportieren können, falls Sie einmal wechseln möchten.
Wann brauchen Sie Individualsoftware?
Bei Individualsoftware wird der Shop nach den Regeln Ihres Geschäfts entwickelt. In diesen Fällen wird ein fertiges Paket zu eng:
- Händler- oder Großhandelsvertrieb: Preise, Zahlungsziele und Rabatte, die je nach Kunde variieren.
- Individualisierte Produkte: Fertigung nach Maß, Produkte, die aus Optionen konfiguriert werden, Druckvorschau.
- Spezielle Schnittstellen: Datenaustausch in beide Richtungen mit Ihrer Buchhaltungs-, Lager- oder Produktionssoftware.
- Ungewöhnliches Verkaufsmodell: Vermietung, Abonnement, Angebotsanfrage, Verkauf mit Terminvereinbarung.
Auch der Preis für Individualsoftware ist klar: längere Entwicklungszeit, höhere Anfangskosten und laufender Wartungsbedarf. Gehören Quellcode und Daten Ihnen, sind Sie nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig; regeln Sie die Eigentumsfrage deshalb eindeutig im Vertrag. Wie wir bei solchen Projekten arbeiten, beschreiben wir auf unserer Seite Software.
Nach welchen Kriterien sollten Sie entscheiden?
1. Ist Ihr Verkaufsablauf Standard?
Produkt auswählen, in den Warenkorb legen, bezahlen, versenden. Passt Ihr Geschäft zu diesem Ablauf, sind Sie mit einem fertigen Shopsystem gut bedient. Wenn nicht, sollten Sie das Paket nicht verbiegen, sondern eine individuelle Lösung prüfen.
2. Mit welchen Programmen soll der Shop kommunizieren?
Gibt es im fertigen Paket eine Schnittstelle zu Ihrer Buchhaltungs- und Lagersoftware? Wenn ja, ist alles gut. Wenn nicht, fragen Sie nach, ob sich diese Schnittstelle nachträglich entwickeln lässt.
3. Wie schnell müssen Sie online sein?
Wenn Sie die Saison nicht verpassen dürfen, ist es ein vernünftiger Weg, mit einem fertigen Shopsystem zu starten und später auf Individualsoftware umzusteigen. Voraussetzung ist, dass sich Ihre Daten mitnehmen lassen.
4. Wo möchten Sie in einigen Jahren stehen?
Denken Sie nicht nur an den heutigen Bedarf, sondern auch an den, der mit Ihrem Wachstum entsteht. Miete, Provisionen und Gebühren für Zusatzmodule summieren sich über die Jahre; die Kosten für Individualsoftware fallen dagegen vor allem am Anfang an. Vergleichen Sie beides über denselben Zeitraum.
Was gilt, egal wofür Sie sich entscheiden
Die technische Basis allein bringt keine Verkäufe. Gute Produktfotos, verständliche Produktbeschreibungen, schnell ladende Seiten und ein Bezahlvorgang, der Vertrauen schafft, sind bei jeder Option nötig. Planen Sie die Fotografie für Ihre Produktbilder gleich zusammen mit der Systementscheidung. Auch die rechtlichen Texte sind überall dieselben: Fernabsatzvertrag, Rückgabebedingungen und die Information zum Umgang mit personenbezogenen Daten gehören in jeden Onlineshop. Planen Sie außerdem von Anfang an ein Budget für Werbung und Suchmaschinenoptimierung ein, die Besucher in den Shop bringen.
Kurz gesagt
Wenn Sie Standardprodukte verkaufen und schnell starten möchten, ist ein fertiges Shopsystem die richtige Wahl; passen Ihre Regeln für Preise, Produkte oder Schnittstellen in kein Schema, ist es Individualsoftware. Sehen Sie den Marktplatz als zusätzlichen Vertriebskanal, nicht als einzigen. Und achten Sie bei jedem Weg darauf, dass Ihre Daten Ihnen gehören und sich mitnehmen lassen.
Bei 360DSGN hören wir uns zuerst an, wie Ihr Geschäft abläuft, und prüfen gemeinsam mit Ihnen, welcher Weg zu Ihnen passt. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite Onlineshop, oder Sie nehmen Kontakt mit uns auf.

